Sonntag, 24. Dezember 2017

Weihnachtsgeschichte N. Krüger 2017



-Oh, Francois, du hast gedacht, dass du gewonnen hast. Francois, du hast wirklich geglaubt, dass du dieses Mal gewonnen hast. Ein Jahr ist nun verstrichen. Ein ganzes Jahr, ohne dass du irgendetwas von mir gehört hast. Hast du mich schon vergessen? Wie könntest du mich jemals vergessen? Wie könntest du den Schwur von Montreux jemals vergessen. Nein, ich weiß du denkst an mich und du weißt ich denke an dich. Und wir wissen es voneinander. Der Schwur von Montreux. Wie könnten wir es jemals vergessen. Wie könnten wir es jemals vergessen. Niemals. Es war die Nacht in der unser Schicksal besiegelt wurde. Alles was wir haben und alles was wir nicht haben, dass ist diese Nacht schuld. Ich hasse dich, mehr als alles andere auf dieser Welt. Nur mich, mich hasse ich noch mehr. Dass ich es zugelassen habe. Aber ich bin dir auch dankbar. Dankbar für diese Grausamkeiten. Dankbar für die Definition. Nur die letzte Grausamkeit hat alles übertroffen. Glaubst du es hat mich gebrochen? Glaubst du, dass du gewonnen hast? Oder fürchtest du diese Nacht? Fürchtest du, dass ich gleiches mit gleichem vergelte? Wenn du das wirklich glaubst, dann mach dich auf etwas viel schlimmeres gefasst. Wenn du das nicht glaubst, dann verhöhne ich dich für deine Naivität. Aber es ist egal. Alles ist besiegelt. Die Rache sei mein. Ich warte auf deinen nächsten Zug. Mein Zug ist geplant. Nichts kann mich noch aufhalten. Nichts. Der nächste Zug muss nur noch exekutiert werden. Die Rache sei mein. Die Rache sei mein. Die Rache sei mein. Hahahaahahahaha...-
Wer klopft da an der Türe?
-Herr Krüger?-
-Maria, sie sind noch da?-
-Herr Krüger ist alles in Ordnung bei ihnen?-
-Sie können jetzt gehen, Maria.-
-Aber Herr Krüger...-
-Maria, sie können jetzt gehen.-
-Herr Krüger...-
-Ich habe mich klar genug ausgedrückt. Sagen sie Sergej er soll sie nach Hause bringen und dann soll er selber nach Hause fahren. Ich wünsche ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Kommen sie bitte erst am 28. wieder.-
-Haben sie denn....?-
-Maria machen sie sich bitte um mich keine Sorgen. Ich habe alles was ich brauche. Es ist alles in die Wege geleitet.-
-Aber was werden sie denn heute Abend essen?-
-Ich habe Uwe beauftragt mir heute Abend ein Mahl zuzubereiten. Er wird es vom Restaurant bringen. So wie jedes Jahr.-
-Der Schwan?-
-Der Schwan.-
-Herr Krüger, ich hätte doch...-
-Nichts kann diese Tradition brechen. Nichts.-
-Sehr wohl, Herr Krüger.-
-Maria, sie haben eine Familie, kümmern sie sich um sie. Sie haben noch eine Familie. Im Gegensatz zu mir. Genießen sie ihre Tage. Ihr Jahr war anstrengend genug. Warten sie. Ich habe noch eine kleine Aufmerksamkeit. Einen Moment bitte.-
-Aber Herr Krüger.-
-Moment, bitte.-
Wo habe ich denn den Umschlag hingetan? Ich bin so zerstreut die letzten Tage.
-Ach hier ist er ja. Maria. Ihnen und ihrer Familie ein gesegnetes Weihnachtsfest und dann sehen wir uns am Morgen des 28. wieder. Es reicht wenn sie um 10 Uhr kommen.-
-Herr Krüger, gibt es denn wirklich nichts, was ich für sie...?-
-Sie können nur gehen. Danke. Genießen sie die Tage.-
-Herr Krüger...-
-Maria, weinen sie bitte nicht. Weinen sie doch bitte nicht.-
-Herr Krüger, es ist nur so...-
-Weinen sie nicht um die Vergangenheit, wir haben noch immer die Zukunft. Und jetzt gehen sie bitte.-
-Vielen Dank, der werte Herr.-
Eine Träne in meinem Auge. Aber ich kann nicht mehr weinen. Ich kann nicht vor Maria weinen. Ich dachte alle Tränen sind verweint. Endlich geht sie. Maria ist so liebenswert. Aber manchmal begreift sie es nicht. Sie ist eine so treue Seele. Beinahe zu treu. Eine Treue die sie schon fast dumm macht. Eine Liebe die sie erblindet. So wie alle Liebenden. Ich bemitleide sie alle. Oder waren es nur die 2000 Franken in dem Umschlag auf die sie gewartet hat? Ist es die Liebe für das Geld? Sind wir nicht alle gleich? Oder vielleicht bin ich nur die dumme, treue Seele? Was soll es. Vielleicht sind wir alle nur dumm und treu. Vielleicht sind Francois und ich auch nur dumm und treu einander. Vielleicht... Unsinn. Francois und meine Feindschaft ist das edelste und ehrlichste was wir je besitzen konnten. Francois, ich bin dir so dankbar. Du hast mich letztes Jahr so reich beschenkt, in dem du mir alles genommen hast. Nur der verbitterte Hass ist geblieben. Du hast in stärker gemacht. Aus den Flammen der Vergeltung, schau da wird ein Phoenix emporsteigen. Warte nur, was ich für dich vorbereitet habe, dieses Weihnachtsfest. Hahahahahahahahahahahaha...-
Da unten ist Maria und Sergej. Maria steigt ein. Endlich. Sergej schaut noch einmal hoch. Er schaut noch einmal hoch in meine Augen. Um sich zu vergewissern. Aber er weiß, dass ich es ernst meinte. Sein Blick. Ich weiß, dass  er mich begriffen hat. Wie viel ein einfacher Blick doch sagen kann. Ein Schwur, eine Verpflichtung, eine Demut, ein Wille, die Kraft, die Unterworfenheit, eine dunkle Hochzeit. Zwischen ihm und mir. Ein Versprechen. Mehr als eine Arbeit. Eine Aufgabe. Ein Verlangen. Oh Francois, unsere morbide Lust war schon immer unser wertvollster Besitz. Gleiches mit gleichem zu besiegeln. Und noch mehr. Die Balance des Schmerzes wieder herzustellen. Francois entweder zu brechen oder in Zugzwang zu bringen. Aber was will er mir denn noch nehmen? Wenn der Plan aufgeht, wovon ich fest überzeugt bin, dann kann ich nur siegen. Sergej wird mir diesen Triumph bringen. Aber wird es mein Endsieg sein? Wird dann alles enden? Oder kann nur unser Tod das Ende sein? Da fährt Sergej langsam den Wagen die lange verschneite Einfahrt hinunter. Vielleicht sollte ich das Fenster öffnen. Ja ich werde es öffnen. Wie schön der Neuschnee doch unter den Reifen knirscht. Wie schön der Motor sich doch anhört und wie schön der Schnee den Rest des Lärms verschluckt. Welche Grazie. Die Präzision von Maschine und Natur. Im Einklang des Schicksals.  Der Winter ist meine Lieblingszeit. Vielleicht auch weil ich im Winter geboren wurde. Vielleicht ist es das. Und dort verschwinden die beiden nun hinter der Kurve. Auch wenn ich der reichste Mann des Genfer Sees bin, auch dann kann mir das Geld keine Liebe kaufen. Das Leben eines Großindustriellen ist so einsam. Oder war ich schon immer einsam? Und hat mich mein Schicksal an diesen Ort gebracht? War alles immer besiegelt? Es war anders als Karin und Norbert junior noch hier waren. Aber haben wir uns nicht schon immer betrogen? Ist Betrug nicht die Grundlage der menschlichen Beziehungen? Aber das ist vorbei. Das erste Weihnachtsfest alleine. Ich kann alles haben, was sich ein Mann kaufen kann. Aber Liebe, Liebe die gibt es nicht zu kaufen. Mein Leben ist nun so leer. Francois hat mir alles genommen. Nur unsere Feindschaft nicht. Könnte er mir denn das auch nehmen? Das wäre die schrecklichste seiner Taten. Oder könnte ich es ihm nehmen? Aber es ist zu spät. Sergej ist schon bestellt. Ich kann und will es nicht mehr rückgängig machen. Vielleicht hätte ich... aber es ist zu spät. Da hinten war Sergej doch noch mal zu sehen, es waren die Rückleuchten. Und wie majestätisch der Genfer See doch von hier oben aussieht. Der kalte Wind treibt die zärtlichen Schneeflocken umher, bis sie lustvoll in dem leicht gekräuselten Wasser verenden. Eis wird zu Wasser wird zu nichts. Ein Kristall wird zu nichts. So wie wir alle. Es geht doch nur um den Flug, wie konzentriert man ist und wie lustvoll man zu nichts verendet. Der Neuschnee hat alles weiß getauft. Ich bin so dankbar für diesen Anblick. Eine neue Unschuld die wir nun betrügen  müssen. Es klingelt an der Pforte. Wer kann das sein? Ob es schon Uwe ist?
-Ja?-
-Herr Krüger. Ich bin es Pierre.-
-Ach Pierre, ich hätte sie fast vergessen. Kommen sie doch.-
Ach Pierre, der gute alte Pierre, ein Mann dessen Loyalität nie erlöschen wird. Seit all den Jahren kommt er.
-Guten Abend Herr Krüger. Es ist wieder Weihnacht und ich dachte, dass wir an unserer Tradition festhalten, auch wenn dieses Jahr...-
-Sehr wohl, Pierre. So soll es sein. Sehr wohl. Kann ich ihnen etwas anbieten?-
-Herr Krüger, ich bitte sie...-
-Ich habe hier einen ganz vorzüglichen Cognac.-
-Herr Krüger. Ich habe das Trinken drangegeben.-
-Bitte was?-
-Drangeben müssen. Der Doktor hat es mir verboten. Sie erinnern sich. Herr Doktor Müller, zu dem sie mich geschickt haben.-
-Der Herr Doktor Müller, er wird ein Glas Cognac zu diesem besonderen Anlass entschuldigen.-
-Wenn sie meinen Herr Krüger. Ich will ihnen aber auch nicht zur Last...-
-Wovon reden sie Pierre, welche Last? Seit all den Jahren, wie sie kommen und immer an uns gedacht haben. Ich fürchte, dass ich ihnen eine Last bin.-
-Herr Krüger ich bitte sie.-
-Moment, Pierre, ich möchte ihr Glas nur kurz anwärmen. Der Cognac kann auf Zimmertemperatur nicht voll zur Geltung kommen.-
-Trinken sie denn nicht mit?-
-Pierre, entschuldigen sie bitte die Unhöflichkeit, aber ich möchte diese Nacht nüchtern bleiben.-
-Sehr wohl.-
-Ich wusste nicht, dass sie gesundheitliche Beschwerden haben, Pierre.-
-Herr Krüger, in meinem Alter spricht man nicht mehr von den Wehwehchen die man hat. Mein alter Körper muss zur Ruhe kommen. Meine Frau und ich denken darüber nach wieder zurück in die Berge zu gehen.-
-Werden wir uns nächstes Jahr denn wieder sehen, Pierre?-
-Herr Krüger, selbstverständlich werden wir uns wiedersehen. Nichts kann unsere Tradition brechen. Auch nicht die Distanz oder Krankheit. Aber es ist Zeit, dass wir unsere Wohnung hier aufgeben. Die Miete...-
-Wenn es nur daran liegt, Pierre. Warum haben sie nie etwas gesagt. Für finanzielle Unterstützung, da war ich mir noch nie zu schade. Und das wissen sie gut genug.-
-Darum geht es nicht, Herr Krüger. Es ist auch so, dass die Bergluft mir besser bekommt. Wir müssen uns auch zurückziehen aus dem Trubel der Stadt. Es ist mir mittlerweile alles zu viel. Das Engagement mit der Philharmonie hat geendet..-
-Es hat geendet. Wer hatte die Frechheit? Moment ich werde sofort Jean Luc anrufen.-
-Lassen sie bitte. Es war meine Entscheidung.-
-Sie können nicht ohne die Philharmonie leben. Und die Philharmonie kann nicht ohne sie leben.-
-Wir müssen es lernen.-
-Pierre, wie konnten sie nur? Musik ist ihr Leben. Ohne Musik sind sie niemand mehr.-
-Herr Krüger, jede Liebe bricht irgendwann entzwei. Es war an der Zeit au revoir zu sagen. Wir hatten ein so wundervolles Leben. Aber es ist Zeit für mich. Ich muss mich zurückziehen. Der Herr Doktor hat es mir geraten.-
-Nach den Feiertagen werde ich ihn anrufen und fragen was man für sie tun kann.-
-Man kann nichts mehr für mich tun. Herr Krüger ich bin ein alter Mann, der sein Leben gelebt hat.-
-Dann trinken sie bitte diesen exzellenten Cognac. Auf ein wundervolles Leben, auf ein Leben, welches nur der Musik gewidmet war. Der beste Geiger den die Welt je gesehen hat. Ich wünschte ich wäre fähig nur annähernd so gut wie sie zu spielen. Ein gottgegebene Gabe. Trinken sie auf den Moment jetzt. Dass der Zufall uns damals zusammen gebracht hat und dass wir jetzt hier beieinander sein dürfen.-
-Der Cognac, er ist wirklich ausgezeichnet.-
-Wollen sie denn noch einen haben?-
-Herr Krüger, ich darf wirklich nicht.-
-Dann darf ich sie bitten sich noch ein wenig im Salon auszuruhen. Uwe wird jeden Moment kommen. Wir halten es für 19 Uhr wie üblich, wenn sie nichts dagegen haben, Pierre.-
-Es ist ihr Haus. Ich stehe in ihrer Schuld.-
-Lassen wir das. Ruhen sie sich ein wenig aus. Sie kennen sich aus. Bedienen sie sich bitte. Fühlen sie sich wie zu Hause. Auf dem Tisch stehen ganz vorzügliche Kekse aus Florenz.-
Das Telefon klingelt? Wer kann das sein? Ob es Karin ist? Sie würde es nicht wagen. Ob es Norbert Junior ist? Ich glaube es nicht. Ob es Francois ist. Wer weiß. Ich werde nicht abnehmen. Dieses Mysterium wird mir den Abend versüßen. Wenn es wichtig ist, dann ruft die Person wieder an. Es klingelt erneut. Aber diesmal an der Türe. Das muss Uwe sein. Mein Gott. Es ist schon kurz nach 6. Er ist spät dran. Vielleicht werde ich ihm kündigen. Ich dulde diese Disziplinlosigkeit nicht. Oder sollte ich noch einmal Güte walten lassen? Wer weiß. Vielleicht gibt es einen Grund. Dennoch. Zu spät ist zu spät.
-Ja, bitte?-
-Herr Krüger. Uwe hier-
-Es wird auch Zeit.-
-Herr Krüger machen sie sich keine Sorgen.-
Keine Sorgen machen, keine Sorgen machen. Es ist immer dasselbe mit diesen Köchen. Nie soll man sich Sorgen machen. Alles ist immer im Griff. Das ist auch so ein Schlag von Mensch. Ich weiß es nicht. Man kann sie nicht ändern.
-Guten Abend Herr Krüger.-
-Guten Abend Uwe. Sie sind spät dran.-
-So leid es mir tut. Aber der Schwan wurde so spät geliefert. Und ich konnte ihn nicht heißer garen, damit die Saftigkeit...-
-Ich will es nicht wissen. Erklärungen interessieren mich nicht, dass müssten sie mittlerweile wissen. Fakt ist, dass sie spät sind und ich habe darüber nachgedacht sie fristlos zu kündigen.-
-Herr Krüger, ich bitte sie. Ich habe eine Frau und zwei Kinder. Ich habe eine Hypothek.-
-Es interessiert mich nicht. Jeder ist für sich verantwortlich. Jeder ist seines Glückes Schmied.-
-Herr Krüger.-
-Seien sie bitte still und bringen sie das Essen rein.-
-Jungens, kommt macht voran. Worauf wartet ihr?
Ach hat er diesmal seine Lehrlinge mitgebracht? Die sind auf Zack. Das gefällt mir.
-Jungens hier lang, macht voran.-
-Oui, chef.-
Oh, diese Disziplin. Es gibt sie ja doch noch bei den jungen Menschen. Diese Ehrfurcht. Diese wundervolle Ehrfurcht in ihren Augen.
-Was haben sie denn wundervolles gezaubert, Uwe?-
-Genau das wie sie es verlangt haben. Wie jedes Jahr. Keine Veränderung.-
-Hervorragend.-
-Schicken sie dann Margaret zu mir morgen hoch, damit sie abräumen kann.-
-Aber ich habe doch unseren Oberkellner Mauro...-
-Uwe, ich will Mauro hier nicht sehen. Auch wenn er sich Mühe gibt, aber Italiener habe ich noch nie gemocht. Bei denen muss man immer vorsichtig sein. Mit dem Temperament und allem. Mauro soll zu Hause bleiben. Margaret soll morgen vor der Mittagszeit vorbeikommen.-
-Sehr wohl, der Herr.-
-War es das dann, Uwe?-
-Wenn es das von ihrer Seite war.-
-Uwe, hier eine kleine Aufmerksamkeit an sie.-
-Aber Herr Krüger. Das kann ich unmöglich...-
-Sie wissen was das ist?-
-Sicher weiß ich was das ist. Das ist ein Original Oishi, 74mal gefalteter Stahl, ein extrem seltenes Exemplar. Wenn ich richtig informiert bin, dann ist dieses Meisterwerk schon 20 Jahre vergriffen.-
-Ich weiß es ist bei ihnen in guten Händen. Ich selber benutze es nicht mehr. Ich habe das Kochen drangegeben. Seit letztem Jahr...-
-Herr Krüger, sie waren doch so ein wundervoller Koch. Lassen sie diese Flamme der Leidenschaft...-
-Uwe, ich verbiete ihnen mit mir über so etwas zu reden. Meine Entscheidung ist meine Entscheidung.-
-Sehr wohl der Herr.-
-Wo sind die beiden Jungens?-
-Wieder am Auto.-
-Holen sie sie nochmal rein.-
-Jungens, kommt nochmal rein.-
Oh, diese Ehrfurcht. Diese Unschuld dieser zwei Jünglinge. Die Demut vor Macht. Und der Wille dorthin emporzusteigen. Aus dem Nichts. Aus dem Schoße einer Mutter die Furcht der Untergebenen zu betrachten. All das in ihren Augen. Diese Unschuld. Diese Schüchternheit. Diese Disziplin. Aber auch der Wille alles für Geld zu tun. So wie es bei mir damals war. Wie wundervoll die Jugend. Und wie nichtsahnend sie doch sind. Vielleicht ist das die ewige Schönheit.
-Kauft euren Eltern etwas schönes, wenn ihr euch auf den Weg nach Hause heute macht.-
-Vielen Dank der Herr.-
Und wie sie sich mit gesenktem Blick nun abwenden. Welche Freude. Es ist mehr Geld als sie im Monat verdienen. Und wie unbedeutend doch Geld für mich nun ist. Wenn man kein Geld hat, wie wichtig es für einen ist, und wenn man es hat, dann wirkt das alles wie eine himmlische Komödie. Wie wundervoll und absurd unser Leben doch ist.
-Uwe, vielen Dank wieder einmal.-
-Keine Ursache. Sie verzeihen mir doch meine Unpünktlichkeit, oder?-
-Ich werde darüber nachdenken müssen. Gehen sie nun und genießen sie das Weihnachtsfest.-
-Herr Krüger, das Restaurant hat doch die Feiertage über offen.-
-Achso das hätte ich fast ganz vergessen. Was ist denn gebucht?-
-Voll wie üblich.-
-Dann will ich sie nicht von der Arbeit abhalten.-
-Vielen Dank Herr Krüger, ihnen dann noch ein gesegnetes Weihnachtsfest.-
-Ihnen und der Familie dasselbe. Und versprechen sie mir nie wieder zu spät zu kommen.-
-Ich verspreche es ihnen.-
Es ist eigenartig, wie sehr die Menschen doch in ihrem finanziellen Trott gefangen sind. Ich glaube nicht an Uwes Loyalität. Er sagt nur Ja und Amen wegen seiner Familie und der Hypothek. Es ist so lachhaft. Wessen Intention ist noch pur? Die Welt ist verrottet. Nichts existiert noch grundlos. Nur Francois und meine Feindschaft ist grundlos. Und das schenkt ihr den Grund. Das macht uns zu Freunden. Zu wirklichen Freunden. Weil wir immer an einander denken. Wie wundervoll das Sinnlose in der heutigen Welt ist. In einer Welt in der alles etwas sein muss. Alles erklärt werden muss, alles einen Grund haben muss, alles einen Wert haben muss. Und wie sehr wir den Luxus verloren haben etwas scheinbar nutzloses genießen zu können. Oh es ist schon kurz vor 7. Zeit in mein Beobachtungssaal zu gehen.
-Pierre?-
Er hat mich nicht gehört.
-Pierre? Kommen sie doch bitte mal.
-Ja bitte?-
-19 Uhr. Wenn die Glocken geschlagen haben, dann beginnen sie bitte die Zeremonie.-
-Jawohl.-
-Ich werde mich für eine Weile in mein Arbeitszimmer zurückziehen müssen. Fangen sie bitte ohne meine Anwesenheit an zu spielen. Ich werde sie auch von oben hören können.-
-Sehr wohl, Herr Krüger, ganz wie sie wünschen.-
Es ist Zeit. Ein Zittern hat mich befallen. Ein Zittern der Erwartung. Ein Zittern der Angst. Hat Sergej triumphiert? Werden die Nachrichten am 27. in der Zeitung stehen? Werden sie mich verdächtigen? Vielleicht wäre es besser Sergej zu entlassen. Ihn gehen zu lassen. Irgendwohin, wo keiner nach ihm fragt. Mit einer Summe, die ihn für immer schweigen lässt. Auch wenn das Komissariat sich nicht einmischt. Aber es kann nichts mehr geleugnet werden. Und siehe da. Kann ich die Flammen sehen oder bilde ich es mir ein? Nein tatsächlich. Durch das Fernrohr kann ich es flackern sehen. Francois. Jetzt musst du dir einen neuen Schachzug ausdenken. Francois, diese lachhafte Kopie meines Hauses auf der anderen Seite des Sees. Was hast du dir gedacht? Das weiße und schwarze Taj Mahal? War es das? Eine einfache Kopie? Eine Herausforderung? Deine Verachtung? Du weißt noch nichts. Jetzt wo du in dem Chalet in Interlaken bist, mit deiner Muse. Wozu brauchtest du Karin und Norbert Junior? Es war nur ein Diebstahl. Du hast sie nie gebraucht. Du wolltest mich nur verhöhnenUnd jetzt, jetzt nehme ich dir deinen kostbarsten Diebstahl. Und alles flackert lichterloh. Wer ruft denn schon wieder an? Wer stört mich in dieser Ruhe? Vielleicht wäre es besser wenn ich das Telefon abmelden lasse. Und wer lässt es so oft klingeln? Die Flammen, sie verrichten ihr Werk. Sergej, dein Weihnachtsgeschenk ist das schönste. Und die Flammen verzehren nun alles. Selbst der Marmor bricht. Die Scheiben zerbersten. Karin, es ist besser so. Die Schuld die du uns gebracht hast, an dem Tag als du gegangen bist. Über uns, über Norbert Junior. Über dich und über mich. Wie sie sich alle die Mäuler zerrissen haben.
-Hahahahahahahaha.-
Und ich nehm mir alles wieder zurück. Es ist 19 Uhr. Die Glocken haben geläutet. Pierre spielt schon. Oh wie wundervoll. Im teuflischen Glanz, im Schimmer der Flammen. Mein Ebenbild verglüht. Und diese himmlische Musik von unten. Es ist Zeit essen zu gehen. Langsam gehe ich hinunter. Langsam. Alles ist genau zu beobachten. Alles ist zu fühlen. Jeder Atemzug. Jeder Schritt. Diese kostbare Zeit. Alles ist zu genießen. Das Bewusstsein ist zu sensibilisieren. Totale Konzentration. Oh, diese Musik. Und der Geruch des Schwans. Ich werde nichts anderes anfassen. Nur den Schwan. Es ist egal, was noch da ist. Ich will nur dieses pure Fleisch des Schwanes. Langsam gehe ich hinab. Der Geruch, die Musik, dieses Flackern in meinem Herzen. In dieser Melancholie schwimmen ohne zu ertrinken. Oh, wie wundervoll Pierre spielt. Und der Hall in dem Saal. Wie wundervoll. Ich bin ein Mann. Vollstens verantwortlich. Bei vollstem Bewusstsein. Der Genuß des Triumphes. Der Genuß der absoluten Zerstörung. Der Genuß etwas Edlem. Ich bin der Überbringer. Dieses Gemälde es erinnert mich an uns. Dieses Gemälde von der Schlacht in Byzanz. Das Blut fließt. Weil es das muss. Wir sind einander bestimmt. Mehr als alles andere. Francois. Isst du jetzt auch Schwan? Wer war vorher da? Ich oder du? Kopierst du mich oder ich dich? Oder wir uns einander.
-Pierre, spielen sie nur.-
Der Schwan. Ein weiteres Meisterwerk von Uwe. Ich kann ihn unmöglich feuern. Dieses zarte, dennoch zähe Fleisch. Dieses Aroma. Ist es möglich? Kann es möglich sein, dass ich den Qualm rieche? Das brennende Haus von Francois? Kann es sein, dass der Qualm so weit dringt? In meine Nase, in meine Seele?

-Norbert. Norbert.-
-Was?-
-Norbert, tickst du noch sauber?-
-Was, was ist passiert? Karin was ist hier los?-
Warum schlägt die mich denn?-
-Hast du noch alle Tassen im Schrank, warum schlägst du mich?-
-Beate, heiß ich. Und wer ist Karin. Wer verdammt nochmal ist Karin?-
-Hab ich Karin gesagt, Karin, äh Beate?-
-Ich will jetzt wissen wer Karin ist.-
-Keine Ahnung wer Karin ist, aso ja, die Frau in dem Traum.-
-Du träumst von einer Karin? Das ist ja schön. Habt ihr denn auch gefickt.-
-Quatsch. Was ist das hier für ein Qualm überhaupt?-
-Du bist eingepennt und du hast die Weihnachtsgans verkohlen lassen.-
-Was, das kann doch nicht wahr..-
-Ja, sicher kann das wahr sein. Guck dir die Scheiße mal an.-
-Das kann doch wirklich nicht...-
-Du hast mich gebeten dir eine zweite Chance zu geben, das hab ich getan. Und die hast du versaut. Ich kann nichtmal aus dem Haus und mir die Nägel machen lassen für die Feiertage.-
-Aber...-
-Nichts aber, Norbert. -
-Die ist nur kross... äh...-
-Die ist nicht kross, die ist total verbrannt. Und der Rotkohl, scheiße, den hast du ja auch anbrennen lassen.-
-Aber...-
-Nein. Weihnachten fällt dieses Jahr ins Wasser. Die Geschäfte haben bereits zu. Du bekommst nur noch an Tankstellen etwas. Dann müssen wir zum Guido und zur Michelle. Die hat die Knusperente vom Kaufland, hier die mit den Pfannkuchen und der Hoisin Soße.-
-Nein wirklich nicht. Nicht zur Michelle und nicht die Knusperente.-
-Überleg es dir. Ich geh zu denen hin. Du kannst ja hier bleiben. Aber ich weiß nicht was du wirklich essen kannst. Oder, ne ich weiß, du kannst ja mal die krosse Gans versuchen. Und zu allem Übel...-
Wer ruft denn jetzt noch auf dem Betriebshandy an?
-Moment mal Beate, halt doch mal den Schnabel.-
-Ja, Herr Direktor.-
-... .-
-Das ist nicht möglich.-
-... .-
-Das kann nicht sein.-
-... .-
-Rohrbruch im Keller.-
-... .-
-Die haben wir doch vergangene Woche...-
-... .-
-Materialfehler, würde ich dann...-
-... .-
-Wie Gutachter?-
-... .-
-Wie können sie denn einen Gutachter anrufen, wenn ich noch gar nicht...-
-... .-
-Ja sicher war ich am Handy. Hier hat keiner angerufen.-
-... .-
-Die ganze Zeit.-
-... .-
-Sofort Herr Direktor.-
-... .-
-Ich fliege. 10 Minuten max.-
-Was ist denn da wieder los, Norbert?-
-Ich muss zur Arbeit, da ist ein Rohrbruch, ich weiß nicht wie lange das dauert.-
-Und dann am Feiertag. Typisch. Wenn das Arschloch anruft, dann springst du.-
-Tut mir leid. Ich muss da jetzt hin. Arbeit geht vor. Ich hab ja schon die zweite Verwarnung bekommen. Ich glaub die wollen mich wippen. Ich muss da jetzt hin.-
-Tu was du tun musst. Ich fahr gleich zum Guido und zur Michelle.. Wenn du früh genug fertig bist, dann komm da noch hin. Oder du musst Butterbrote hier essen. Frohe Weihnachten.-
-Aber Beate.-
-Nichts Beate.-
-Aber Beate.-
-Frohe Weihnachten hab ich gesagt.-
-Die Rache sei mein.-
-Was hast du da gerade gesagt?-
-Ich? Ich hab nichts gesagt, Beate.-
-Du hast doch gerade da was gesagt.-
-Frohe Weihnachten hab ich gesagt.-
-Ja, frohe Weihnachten. Und das kannst du auch deiner Karin ausrichten.-




Sonntag, 10. Dezember 2017

Ankündigung der Weihnachtsgeschichte

Dieses Jahr, sehr veehrte Leser wird das Weihnachtsfest von Norbert Krüger sehr weit weg von dem üblichen Ort des Geschehens stattfinden. Lassen Sie sich überraschen und tauchen Sie wieder einmal ein in die wundervolle, wenn auch nicht minder tragische Welt der Krügers.
Die Veröffentlichung wird wie üblich am 24.12.2017 um 12 Uhr deutscher Zeit stattfinden.

Dienstag, 28. November 2017

Bonntor- Alexander Fröde


Zum Jahres- (fast)-abschluß noch einmal erfreuliche Nachrichten. Alexander Fröde hat sein neuestes Werk Bonntor fertiggestellt. 48 Seiten, 35 Fotografien, 30 Exemplare. Treffen: Samstag, 09.12.2017 um 13 Uhr Chlodwigplatz am Severinstorbogen zu einer kleinen Führung zum besagten Thema.

Weitere Informationen:


Und genau so ist es, wie Projekte abgehandelt werden müssen.

On your feet, or on your knees.

T.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Die Lesung

Hiermit möchte ich mich herzlich bei allen bedanken, die am Sonntag den 17.09.2017 zu der Lesung erschienen sind und die Neuerscheinung erworben haben und auch bei denen die leider nicht kommen konnten, aber ihre Vorbestellung abgegeben haben. Und gleichzeitig möchte ich mich für die Unannehmlichkeiten in der Ortsangabe entschuldigen. Die Lesung wurde im Gleisabschnitt C gehalten und nicht wie vorher fälschlicherweise angekündigt im Abschnitt D. Trotzalledem war es ein feiner Nachmittag.
Es ist nicht als selbstverständlich anzusehen. Die Antworten sind die gleichen geblieben. Die Fragen sind die gleichen geblieben. Danke. T.





























Fotos: G.W. und Jens Pussel

Montag, 28. August 2017

Auf halbem Wege fing es an zu regnen




















Liebe
Literaturfreunde,

am Sonntag dem 17.09.2017 ist es wieder soweit.

Wir treffen uns um 16 Uhr pünktlich auf dem Gleis 9 im Gleisabschnitt D des Troisdorfer Bahnhofes um die Neuveröffentlichung des Gedichtbandes:

Auf halbem Wege fing es an zu regnen

, zu feiern. Es werden dabei drei ausgewählte Texte vorgetragen.

Das kleine Gedichtbuch beinhaltet Texte von Thomas Hansen und ist zu einem Vorzugspreis von 5 Euro erhältlich. Für das Titelfoto, die liebevolle Gestaltung und die ursrpüngliche Initiative ist Alexander Fröde zu kreditieren. Auf Grund der geringen Stückzahl ist damit zu rechnen, dass die Exemplare bereits am Tag selber vergriffen sein werden. Vorbestellungen werden ab sofort unter der gewohnten Hotmail-Adresse entgegengenommen. Dabei ist anzumerken, dass jeder Interessent nur in der Lage sein wird ein Exemplar zu erwerben.

Bei den eigenen Vorbereitungen ist bitte mit einzuplanen, dass das Kiosk des Troisdorfer Bahnhofes leider nicht geöffnet sein wird.

Im Falle von Regen treffen wir uns auf der gegenüberliegenden Seite des Gleises 9, am Parkplatz unter der Überdachung zum oben genannten Datum und Zeit.

Ich freue mich auf Euer Erscheinen.

T.


(Privat Event!!!)



Samstag, 24. Dezember 2016

Weihnachtsgeschichte 2016, Norbert Krüger


***
Wieder einmal mehr war auch dieses, sich dem nun zu Ende neigende, Jahr 2016 mehr als strapaziös und mit mehr Meinungsverschiedenheiten, um nicht Konflikte sagen zu müssen, denn je gespickt. So ist es nicht verwunderlich, dass unser alter Freund und Protege Norbert Krüger dieses Jahr eine äußerst kompromisslose Taktik an den Tag legt. Die diesjährige Weihnachtsfeier der Arbeit wird tatsächlich boykottiert. Partisanaction, wie Norbert es passend ausgedrückt hat. Zudem ist es auch erwähnenswert, dass er dieses Jahr einen Französich-Kochkurs bei der VHS mit Bravur absolviert hat. Und tatsächlich, Dinge, Einstellungen und Ideen haben sich grundlegend geändert. Wir, als Beobachter im engsten Kreis, würden sogar wagen zu sagen, dass es sich fast um eine Wiedergeburt  oder zumindest eine Metamorphose handeln könnte. Es ist schön zu sehen, dass sich manche Menschen durch ihr Alter nicht von Innovation, Veränderung und Verbesserung abhalten lassen wollen. Aber Norbert war schon seit jeher ein Mensch, der sich nicht selbstlos der Resignation überlässt. Denn Leben hat weitaus mehr als Angst und Frust zu bieten. Leben soll ein Fest sein. Sich daran zu erinnern, das ist unsere Pflicht. Leben muss zelebriert werden, so als wäre es der letzte Tag, der uns gegönnt wäre. Und siehe da, die von Norbert ausgerufene Einladung zum Galaabend sorgte im Vorfeld, genauso wie sie in Kürze feststellen müssen auch im Rückblick für einiges an Gesprächsstoff. Kontrovers betitelt sich der Prinz der Zukunft. Wer nichts wagt, kann nicht gewinnen. Wer nichts riskiert geht sang und klanglos unter. Und wer nur redet, dem aber keine Taten folgen läßt, der sollte sich lieber mit einer politischen Karriere begnügen. Es ist bloß schade, dass unsere gute Freundin und Alliierte Renate aus der Verwaltung leider zu dem Zeitpunkt auf Grund ihrer fortwährenden Blinddarmprobleme kurzfristig in das Beueler Krankenhaus eingeliefert wurde. Dennoch wollen wir uns nicht den Spaß am Spaß verderben lassen und eilen zu der Einladung in das Hause Krüger, wo ein französisches Bankett mit japanischem Twist, wie man so schön im Jargon zu sagen vermag, aufgetischt wird. Wobei auch anzuerkennen ist, dass Norbert keine, ich will das nochmals wiederholt und unterstrichen wissen, keine Kosten und Mühen gescheut hat. Tauchen sie ein in eine Welt kulinarischer und visueller Delikatessen. Lassen sie sich verwöhnen an einem erinnerungswürdigen Galaabend. Seien sie zu Gast im Maison Krüger. Ein Bankett dessen seinesgleichen noch nie gesehen hat. Norbert ist zu einem ambitionierten  Hobbykoch und Gastgeber avanciert, geküsst von einem Hauch Allüren. Aber wer kann ihm bei all den Mühen dabei böse sein? Lassen Sie wenigstens, liebe Leser, genauso wie unsere gute Freundin Renate, durch ihre Nichtanwesenheit bitte ihre Geschmacksnerven träumen und ihre Sinne kitzeln und vielleicht, ja vielleicht werden sie selber irgendwann sich das Herz fassen und dieses unvergleichliche Menü nachkochen um ihre engsten Freunde und Verwandte nach Strich und Faden zu verwöhnen. Ein Visionär ist aus seinem Schlaf erwacht. Ein Visionär führt uns auf den Pfad der Erleuchtung. Bon appetit und Sayonara.



Galamenü im Maison Krüger:

Champagnerempfang
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Amuse bouche von Tiger Prawns
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Morchelcappucino mit Pistazienschaum
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Hummersalat, Mangogel, Spargelmousse, schwarzer Sesam
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Wasabigranite mit eingelegter Pflaume
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Dreierlei von der Eifeler Gans, Confit, Wonton, Brust sous vide, klassischer Rotkohl, Kartoffelkloß, Maronen und Orangenessenz
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Unser Dresden, neuinterpretiert
*
Überraschungen, Espresso und Petit Fours
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Unterhaltung
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* dazu korrespondierende Weine aus aller Welt aus dem Keller Krüger






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-Ja, ich bins Renate. Der Norbert. Ich wollte nur mal durchklingeln und fragen wie´s dir geht.-
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-Ja superschade, dass du nicht gekommen bist. Superschade, die haben dich alle vermisst.-
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-Ja klar, der Direktor, ja klar hat der angerufen, dass hab ich auch so erwartet. Ich bin aber gar nicht erst dran gegangen. Nach alle dem was der mir das Jahr über angetan hat. Geschieht dem Recht. Aber absolut.
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-Ne, der kann mir so was von am Arsch lecken.
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-Is auch egal. Deswegen hab ich das ja auch genau auf das Datum fallen lassen.-
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-Waren auch fast alle da.-
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-Das Menü hattest du ja gesehen.-
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-Ein absoluter Traum.-
-... .-
-Und weißt du was Renate? Ich hab festgestellt, mit so einem gewissen Druck kann ich wirklich am besten arbeiten. Dieser positive Stress, ne? Der ist so leistungsfördernd.-
-... .-
-Ja wirklich, das ging alles so von der Hand. Wie geschmiert.-
-... .-
-So ein bisschen Druck, wenn du im Zugzwang stehst, dann ist das so was von fördernd.-
-... .-
-Ja eigentlich, das fand ich ganz schön, das hab ich mal gehört, Förderung durch Forderung.-
-... .-
-Amuse bouche? Das heißt frei übersetzt, das ist ja französisch, das heißt amüsierter Gaumen. Das ist eigentlich da um die Geschmacksnerven so etwas zu kitzeln, so ein bisschen ärgern, wenn ich das richtig verstanden hab, nur um den Geist anzuregen und vorzubereiten. Superschön auf jeden Fall.-
-... .-
-Das waren Krabben, die hab ich ganz frisch in der Metro gekauft. Die waren so schön, so elegant, würd ich schon fast sagen. Ganz, ganz schonend hab ich die gegart, die waren zart wie Butter, so eine Qualität würdest du im Hit ja gar nicht bekommen.-
-... .-
-Dann der Cappucino von der Morchel.-
-... .-
-Ein absoluter Traum, das war zwar nicht viel, aber dieses Aroma, dieses Flair, den die Morchel versprüht, das ist sagenhaft. Ich würd wirklich sagen, dass das der wundervollste aller Pilze ist.-
-... .-
- Pistazienschaum war dadrauf. Die Morchel und die Pistazie, das ist eine Kombination. Wie aus einer anderen Welt. Das hat so einen Hauch deutsche Wälder und diesen Touch Orient. Das ist das beste aus zwei Welten. Das ist halt der Hammer, wenn man Sachen so schön kombinieren kann. Wenn zwei unterschiedliche Dinge miteinander doch so eine Art Beerdigung,...äh sorry Hochzeit eingehen. Das ist sagenhaft.-
-... .-
-Der Kochkurs, der hat mich ja dieses Jahr so auch mental gebildet. Da ist so was unbeschreibliches mit mir passiert. Ich hab da so einen Schub nach vorne bekommen. Hätte ich das früher gewusst, dann wär ich Koch geworden. Dann wär ich um die Welt getingelt und hätte in allen Sternerestaurants gearbeitet. Das wär so schön.-
-... .-
-Gut ja klar. Zeit kann man nicht zurückdrehen. Leider. Aber wenigstens hab ich jetzt meine Berufung gefunden. Und das wird auch für immer so bleiben. Das werde ich privat auch für immer so handhaben. Mal sehen was da auch noch auf mich zukommt. Aber das macht mir momentan so einen Spaß und alles. Das ist unbeschreiblich.-
-... .-
-Weißt duwie es ist, wenn man nicht mehr daran glaubt und sich dann doch nochmal verliebt? Das ist so ein unbeschreibliches Gefühl. Wie auf  Wolke sieben.-
-... .-
-Aso ja, weißt du was? Da hab ich so ein bisschen mit der Illusion gespielt.-
-... .-
-Das Granite ist eine Art Sorbet, nur kristalliner, weil das nicht in die Eismaschine geht, sondern angefroren wird und dann immer mal umgerührt. Ich hab das aber nicht so gemacht, sondern genau umgekehrt. Ich hatte da ein Pflaumensorbet gefunden in der Metro, das war ganz  gut und dann hab ich da einen Ticken Balsamicoessig drübergegossen und einen Klecks Wasabi dran. Ich weiß das hört sich jetzt mutwillig an, aber die Kombination an sich. Das ist so der Hammer. Süß, pikant, sauer. Das ist ja die Sache mit Japan, die lassen ihre Geschmacksnerven ja auch erst in eine Art Einöde wandern um sie dann in einem farbenfrohen Feuerwerk zu stimulieren. Die kennen das ja nicht anders.-
-... .-
-Japan hat mich ja auch seit jeher interessiert. Ist halt nur die Frage, wie wir unser Japan interpretieren können.-
-... .-
-Ja, schön das du fragst. Die Eifeler Gans, ich hatte die bei einem Bauern vorbestellt, biologisch und alles. Klar da bezahlt man, aber man schmeckt es auch. Ich hab das was abgewandelt. Ich war was unter Zeitdruck. Deswegen hab ich die Gans so gemacht. Die war aber so saftig innen drin und dabei schön knusprig, das ist halt das Geheimnis, wenn man die auf niedriger Stufe gart und dann kurz vor Ende nochmal mit dem Grill, äh den noch mal schön hochjagen. Die Haut war wie dünnes Glas. So der Hammer.-
-... .-
-Ne, ich find einen großen Kloß besser. Weil, wenn man da mehr hat, wie viel gibt man dann? Zwei, drei? Ich wollte das so was runterreduzieren. Und die waren so schön luftig. Die waren so luftig. Da sind die Japaner ja auch irgendwie immer vorne bei. Minimalistisch arbeiten. Das ist auch was, was mich so an denen fasziniert. Gans, Kloß, Rotkohl, alles supermininalistisch. Auf den Punkt gebracht. Nur die besten Zutaten. Perfekt verarbeitet. Schlusspunkt. Das ist ja auch warum ich mich so dafür interessiere. Schweiz. Die mit den Uhrwerken. Japan, diese Samuraitradition. Diese Loyalität. Diese Ergebenheit. Frankreich, die lange Tradition von einfachem, bäuerlichen Essen bis zu den Königshäusern. Das war ja mein Anspruch, dass ich das alles auf diesem Essen so repräsentiere. Das hört sich jetzt ein bisschen geschwollen an, aber ich hab so eine Befriedigung gespürt. So etwas weltliches und kompaktes. So eine Freiheit. Wirklich, wenn ich jetzt drüber nachdenke, dann, ne ganz im ernst jetzt. Vielleicht mach ich eine Umschulung zum Koch. Das ist so was von erfüllend. Und hier, den Stollen, falls du dich gewundert hast. Ich hab den in den Mixer getan. Das war der günstige vom Kaufland, aber egal, die Zutaten sind ja eh alle dieselben. Ich hab den so fein gehächselt, dass nur noch Krumen über waren, das war fast Staub. Dann hab ich den einfach auf die Teller gestreut und ein kleines Schälchen flüssige warme Butter dazu gereicht. Boar, die haben alle geguckt. Das war so was von obskurr. Aber der Hammer. Staub vom Stollen. Das musst du zu Hause mal versuchen. Und dazu die warme Butter, das unterstützt den Stollen so. Du denkst vielleicht dass ich jetzt was bescheuert bin. Aber die haben die Teller leergeleckt. Und das war so schön. Weißt du, das ist doch der Punkt, wo sich alle Mühen gelohnt haben. Das ist doch die schönste Bezahlung, wenn die Menschen glücklich nach Hause gehen, satt und mit einer schönen Erinnerung.
-... .-
-Ja, da hast du Recht, Renate. Aber ich sag immer, es kann ja nicht komplex genug sein. Selbst dieser japanische Minimalismus bietet etwas komplexes. Du brauchst nur den Schlüssel um das zu öffnen. Es geht hier auch um die Metaebene. Die Geste der Herzlichkeit und professionelle Widmung. Das sind so viele Faktoren, die da mit reinspielen. Aber das wichtige ist, dass man auf lange Sicht seine wahre Identität findet. Das ist es doch. Lassen wir doch mal ehrlich sein. Freundschaft gleicht Gesundheit gleicht Essen gleicht Liebe gleicht äh  Leben. Du bist was du bist. Das ist der Kreislauf. So weit kann man das doch runterreduzieren und so komplex ist es dann wieder.
-... .-
-Meine Frau, die hat die Deko gemacht. Die hat sich zwar nicht so die Mühe gemacht. Aber die ist auch eh ein bisschen im Stress. Aber was die gemacht hat, das war so was  von effektiv. Und der Guido mein Sohn, ne? Der hat sich als Samurai verkleidet und die Getränke serviert. Die haben den alle gar nicht erkannt. Und wie der das gemacht hat, so kleine elegante Schritte. Und wie der reingekommen ist. Das hat mich so was von gefreut. Du weißt ja sonst hab ich meine Probleme mit dem, aber da war der so was von involviert ohne wirklich involviert zu sein. Der hatte wirklich so was butlerähnliches. Und das hat dem ja auch voll Spaß gemacht. Der meinte vielleicht auch, dass er vielleicht mal Kellnern will. Jetzt einfach mal rumgesponnen. Ich in der Küche, der im Service, das könnte so was von abgehen. Dann meine Frau halt irgendwie Planung. Ein kleines Bistro hier in Eschmar, mit dem richtigen Businessplan könnte das voll Einschlagen. Aber voll.
-... .-
-Aso, ne kein Ding, ich kann ja nachher noch mal anrufen oder morgen.-
-... .-
-Müde? Kann ich verstehen, ruh dich doch erst mal schön aus. Pass auf, komm doch einfach mal mit deinem Mann zu uns zum Abendessen, wenn du wieder auf dem Damm bist. Dann kann ich ja was zaubern.-
-... .-
-Was gibt es denn?-
-... .-
-Haferschleim? Du tust mir so leid.-
-... .-
-Ja gute Besserung. Wir sprechen auf jeden Fall. Ja und wenn du wieder fit bist, dann musst du mir versprechen, dass du deinen Mann einpackst und dann schlägst du bei uns auf. Ich koch das Menü dann vielleicht nach, aber so gut bekomm ich das im Leben nie wieder hin. Oder, ach was solls. Ich setz mir einfach neue Ziele. Vielleicht mach ich da auch was mit Schonkost, aber superedel. Gesundes Essen muss ja nicht langweilig sein.-
-... .-
-Ja genau, jetzt machen wir aber auch Schluss. Ja tschüssi.-
-... .-
-Ja tschüssi, tschüssi.-

Und just in dem Moment, wie Renate ihr kleines Schälchen Haferschleim aufgegessen hat, klingelt widererwartend erneut das Telefon:

- Renate? Ja, ich bins, der Siggi.-
-... .-
-Ja ich wollte nur mal eben reinhören, wie es bei dir aussieht. –
-... .-
-Aso, aso. Das hört sich doch schon viel besser an.-
-... .-
-Renate, eins kann ich dir sagen, du hast nichts verpasst, aber absolut nicht. Ja oder eigentlich dann doch.-
-... .-
-Und hättest du sehen sollen. Fing alles schon mal super an. Das Handy hat geklingelt, der Norbert läuft kreidebleich an. Und ich stubs den an. Der guckt mich nur an. War der Direktor am Telefon. Ich hab gelacht. Der hat sich so was von ins Hemd gemacht. Der wusste, dass der das wusste. Kannste dir vorstellen, was der am Montag für einen Einlauf bekommt. Ich weiß nicht wer dem das gesteckt hat. Aber irgendjemand bestimmt. Ansonsten würd der den doch nicht anrufen.
-... .-
-Der hatte 20 glaub ich eingeladen, 9 sind gekommen. Totales Armutszeugnis.-
-... .-
-Wir haben noch gewartet. Aber ich weiß gar nicht, wen der eingeladen hat. Aber da waren 11 Stühle nicht besetzt, war voll der Geisterabend. Der Norbert hat sich so was von angepisst.-
-... .-
-Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Der ganze Abend war total Scheiße oder eher ne war voll super, war total die Komödie .-
-... .-
-Angefangen hats damit, dass der am Tisch gesagt hat, dass wir den nur mit Monsieur ansprechen sollen. Ich hab den so was von ausgelacht. Die anderen dann auch. Aber du hättest die Gesichter mal sehen sollen. Die konnten gar nicht glauben was abgeht.
-... .-
-Der Sohn vom Norbert, der war in einem Kimono gekleidet, dem konnte man ansehen, dass der das nicht will, so mit weißem Gesicht und so, der kam da mit dem Tablett rein. Champagnerempfang? Pustekuchen. Das war so Rotkäppchen, ich hab die Flaschen ja in der Küche gesehen. Und der Guido der ist so was  von blöd, der kommt da mit dem Tablett rein und ist der Länge nach hingefallen. Wobei der tut mir auch was leid, dem konnte man das ja ansehen, dass der gar keinen Bock drauf hat. Und der Norbert hat den so was vor uns zusammengestaucht, der hätte fast geweint. Tat mir dann ja auch was leid, aber ich musste voll loslachen. Der kommt dann wieder rein und hat versucht mit dem Staubsauger die Scherben aufzusaugen. Klar ist der Staubsauger auch noch kaputt gegangen. Du hättest den Norbert mal sehen sollen, der ist so was von ausgeflippt. Wie der rumgebrüllt hat.-
-... .-
-Und dann .-
-... .-
-Der hat uns die Menüs ja noch mitgegeben mit so einem goldenen Band zusammengerollt, hab ich direkt bei dem in den Vorgarten geworfen. So ein Scheiß. Ich weiß gar nicht was der sich für einen Film fährt. Sternekoch oder so, dass ich nicht lache. Der hat sogar die Tage bei der IHK angerufen wie das ist mit verkürzter Ausbildung aussieht. Da hat der sich ja auch noch bei mir ausgeheult, dass die den auf Grund des Alters von der Umschulung  abraten .-
-... .-
-Der hat se eh nicht mehr alle. .-
-... .-
-Und die Küche sah aus, wie ein Schlachtfeld. Da war alles dreckig. Aufgetürmt bis zum geht nicht mehr. Der Herd war total verkrustet und alles. Und gestunken hats da drin. Da war so eine Qualmwolke, so was verbranntes oder Tod, ne es war eigentlich industrieller Tod der da in der Luft lag. Brutal. So was von fies. Die Frau von dem stand am Waschbecken, die hatte Gartenhandschuhe an. Die war mit so einem aggressiven Reiniger dran, die hat gehustet. Du hast so was noch nicht gesehen.
-... .-
-Und dann so ein Amuse bouche Scheiß. Die Krabben, das waren so Minikrabben, die man sonst für Cocktail nimmt. Total winzig, schon peinlich und die waren auch so, das hat man gemerkt, die waren schon längere Zeit aufgetaut und trocken und auch was muffig. Ich hab das gar nicht gegessen. Voll widerlich.-
-... .-
-Dann die Gans, da hat der ja groß rumgeprahlt. Dreierlei von der Gans. Was der gemacht hat weiß ich auch nicht. Die war, da war nur eine Gans, im ganzen, wobei eine Keule hat gefehlt. Und der hat die serviert, außen total verkohlt, aber total. Die sah aus als wär die im Krematorium gewesen. Und innen drin war die noch roh. Sowas hab ich noch nicht gesehen. Der sagt, dass das so sein muss. Aber die Melanie, die hat ja, der Vater ist ja selber Koch, die hat dem mal die Meinung gesagt zum Thema Geflügel und untergart. Der hat so eine Flappe gezogen, die dann wieder genommen und dann in die Mikrowelle gedeut. Wir alle gewartet. Totenstille. War voll peinlich. Der in der Küche am fluchen, mit der Frau rumgebrüllt, die hat irgendwas hingeschmissen. Und dann bing, Mikrowelle fertig. Und der kam wieder rein am Grinsen wie ein Honigkuchenpferd. Konnte man aber sehen, dass es nicht so gemeint war. Der war voll am Zittern, war so peinlich. Der hat die Gans auf den Tisch geknallt. Das Fett noch bei der Sabine auf das neue Kleid. Musst du dir mal vorstellen, der war so sauer, der hat total die Kontrolle verloren. Aber total. Der ihr Kleid ist auf jeden Fall hin. Und das hat die ja für Weihnachten ursrprünglich gekauft. Wenn der ihr das nicht bezahlt, dann will die den auch vielleicht bei der Polizei anzeigen.-
-... .-
-Aso, aso. Ja gut dass du fragst, der sagt ja korrespondierende Weine. Der hatte da nur irgendsoeinen billigen Lambrusco oder so. Keine Ahnung. Da war aber nicht viel von Korrespondenz zu spüren. Hatte der ja in Karaffen abgefüllt. Und irgendso ein Tuch drumgeschlagen. -
-... .-
-Beim Dessert hab ich gedacht, der ist total am durchdrehen. Das war nur Staub. Kennst du das wenn man ein Loch in die Wand bohrt und der Staub unten auf dem Boden liegt? Sowas war das. Dazu hat der geschmolzene Butter serviert. Ich hab schon gar nicht mehr gefragt. Da war eine Totenstille im Raum. Und dann hat der Direktor auch noch mal angerufen. Der Norbert ist bestimmt für 10 Minuten verschwunden oder so. Ich hab dann auch im Namen von allen dem seine Frau gebeten das Dessert wegzuschmeißen. Der kommt wieder rein. Und dann hat der das gesehen. Der hat die in der Küche nochmal so was von zusammengestaucht. Der hat die den ganzen Abend behandelt wie ein Stück Scheiße. Die tut mir so leid die Frau. Aber zu uns sagt der nichts. Ich hab dem nachher auch nochmal die Meinung gegeigt. Totale Verarschung. Der hat noch versucht sich zu rechtfertigen. Der war so was von am Zittern, der hätte auch fast geweint. Und ich sag dem nur, komm lass is gut. Ich hab den noch voll ausgelacht. Das ist der totale Vollhorst.-
-... .-
-Und ich frag den noch nach Petit fours, hat der ja angekündigt. Der ist total rot angelaufen. Sowas von peinlich. Der fängt an zu stottern und sagt, dass das im Dessert inbegriffen war. Kaffee wollte ich dann auch nicht mehr. Hab ich vergessen zu sagen, die Klöße waren auch nur ein Matsch, Rotkohl war auf jeden Fall Hengstenberg. Das schmeckt ja sonst so lalala bis in Ordnung. Aber damit das keiner merkt, dass der das gekauft hat, da hat der noch Knoblauch dran gemacht. Voll fies, aber voll fies .-
-... .-
-Ne ganz im ernst .-
-... .-
-Ach Haferschleim hattest du gerade? Da würd ich sagen, dass du auf jeden Fall besser gelitten bist als wir gestern .-
-... .-
-Und der hatte so eine Scheißweihnachts-CD am laufen. George Michael und all der Scheiß. Immer wieder und wieder bis die Melanie dem mal die Meinung gesagt hat. Und das beste, jetzt halt dich fest, ich halt das Menü hoch, und mein was mit der Unterhaltung ist, was da angekündigt war und der geht wieder zum CD Player und macht die gleiche CD wieder an, nur lauter. Die Melanie ist so ausgerastet. Das kannst du dir nicht vorstellen. Ich mein die hat einen langen Geduldsfaden, aber wenn die einmal in Rage ist, dann ist die ja nicht mehr aufzuhalten. Du kennst die ja. Die hat dem so mal die Meinung gesagt.-
-... .-
-Ne ich hab mich mit denen noch abgesprochen, als der auf Toilette war. Wir haben dann alle schnell die Mücke gemacht. Wir sind dann noch zum Theo, Gyros komplett für alle. Die Sabine hat aber nichts mehr runterbekommen. Die hat sogar noch vor dem Haus vom Norbert gekotzt. Die hat mir so was von leid getan. Die hatte dann nur den Ouzo, dann ging es wieder. Ach und das beste die Frau vom Norbert ist auch mitgekommen. Der hat das Gyros auch so gut geschmeckt. Und die hat sich bei uns ausgeheult. Das ist total die arme. Aber auf jeden Fall. Und die hat sich so eine Mühe mit der Deko gegeben. Das war alles so schön, was die da gemacht hat. Wir wären wirklich besser zur Betriebsfeier gegangen. Und dann hatten wir noch eine Runde Ouzo aufs Haus. War total super. Der Theo, die machen ja kein Dessert da, aber der hatte da so leckeren Joghurt mit einem Rosmarinhonig, den der da aus seinem Dorf mitgebracht hat. Da hat der so was von draufgeträufelt. Das war so lecker. Muss ja nicht mit so viel Pi pa po sein. Die einfachen Dinge sind manchmal so gut. Es geht ja um die Geste und Herzlichkeit. Der hat mir auch versprochen, dass der mir so ein Glas nächstes Mal mitbringt. So hält man sich doch die Kundschaft. Nicht so ein Zirkus wie der Norbert da veranstaltet hat.-
-... .-
-Ne versprich mir eins, geh da nicht hin. Wimmel den irgendwie ab. Wenn dir deine Gesundheit und deine Nerven lieb sind, dann schlag die Einladung ab.
-... .-
-Jetzt sei mir nicht böse, Renate. Aber ich muss langsam voran machen. Ich komm die Tage vielleicht mal vorbei. Ich muss eh nach Beuel. Dir noch einen schönen vierten Advent.-
-... .-
-Alles klar.-
-... .-
-Bis die Tage. Und gute Besserung.-

Und in genau diesen Minuten denkt Norbert darüber nach, dass das Motto für das diesjährige Silvestergalamenü Feuerwerk der Sinne heißen muss, während Beate eifrig im Internet nach Angeboten für ein langes Wochenende im Bayrischen Wald schaut. Leider ist der Einzelzimmeraufschlag nie zu unterschätzen. Dennoch.
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Samstag, 3. Dezember 2016

Ankündigung Weihnachtsgeschichte 2016





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24.12.2016- 12 Uhr
Galamenü Maison Krüger
http://knutpohl.blogspot.ie/
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